14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 5. Juli 2009
Ausgabe: 2009/27, Reiz, Bekanntes, 14. Sonntag im Jahreskreis, Nazareth, Menschen, Jesu Talent, Sabbat, Evangelium, Lesung, Psalm 123, Wort zum Sonntag, Rudolf Silberberger, Jesus, Denkmalpflege, Axams, Diözesankonservator, Birgitz, Grinzens, Himmel, Magd,
01.07.2009
Die Menschen in Nazareth hatten von Jesu Taten gehört – berühmt war er geworden. Aber als er dann mit seinen Jüngern in seine Heimatstadt kam und am Sabbat lehrte, da wunderten sie sich. „Woher hat er das alles?“ Kannten sie doch alle seine Familie, die Mutter, die Brüder und Schwestern. Skepsis schlägt ihm, dem Bekannten, entgegen. Sie meinen, ihn zu kennen . . . und kennen ihn doch nicht.
Evangelium
Mk 6, 1b–6
[. . .] und (Jesus) kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.
1. Lesung
Ez 1, 28c – 2, 5
Als ich diese Erscheinung (Gottes) sah, fiel ich nieder auf mein Gesicht. Und ich hörte, wie jemand redete. Er sagte zu mir: Stell dich auf deine Füße, Menschensohn; ich will mit dir reden. Als er das zu mir sagte, kam der Geist in mich und stellte mich auf die Füße. Und ich hörte den, der mit mir redete. Er sagte zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den abtrünnigen Söhnen Israels, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter sind immer wieder von mir abgefallen, bis zum heutigen Tag. Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen. Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott, der Herr. Ob sie dann hören oder nicht – denn sie sind ein widerspenstiges Volk –, sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war.
2. Lesung
2 Kor 12, 7–10
Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Ich erhebe meine Augen zu dir,
der du hoch im Himmel thronst. Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so schauen unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott, bis er uns gnädig ist. Sei uns gnädig Herr, sei uns gnädig! Denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter, übersatt ist unsere Seele von ihrem Spott, von der Verachtung der Stolzen.
aus psalm 123
Wort zum Sonntag
Jesus – einer „nicht von weit her“
Pfarrverantwortliche für die Bedeutung ihrer Kunst- und Kulturgüter zu sensibilisieren, ist eine meiner Aufgaben als kirchlich Beauftragter für die Denkmalpflege. Manchmal mache ich dabei die Erfahrung: Wenn jemand von auswärts kommt und den Wert eines Kunstwerkes benennt, wird das viel bereitwilliger angenommen als die Hinweise des Ortschronisten oder einheimischer Kunstkenner. In seiner Heimatstadt macht Jesus die Erfahrung, „nicht von weit her zu sein“. Man wusste um ihn, seine Familie und Verwandtschaft und um seinen Beruf. Jesus war kein unbeschriebenes Blatt für die Bewohner/innen von Nazareth. Sie kannten ihn und kannten ihn doch nicht. Die „Schublade“, in der er abgespeichert war, war doch um einiges zu klein. Im „kleinen Denken“ kann sich das Große nicht ereignen. Wunder geschehen in der geistigen Weite, im Zulassen und in der Offenheit auf Gott hin. Geht es uns nicht ähnlich wie den Menschen von Nazareth? Wir kennen Jesus oder meinen wenigstens, ihn zu kennen. Haben wir ihn etwa auch „abgespeichert“, ist der Speicherplatz nicht zu klein? Trauen wir ihm überhaupt etwas zu? Etwas, das unser Leben bereichert und ihm eine neue Qualität gibt? Die Worte des Evangeliums sind untrennbar mit der Person Jesu verbunden. In „dem Wort Raum geben“ entsteht Beziehung, Bekanntsein in engster Weise. Dieser Blickwinkel ist nicht nur auf Jesus hin angebracht und heilsam, er gibt auch den zwischenmenschlichen Beziehungen ein ganz neues Bedeutungsgewicht. Allein der Gesichtspunkt des Getauftseins und der dadurch bestehenden Verbindung aller Getauften untereinander lässt Mitmenschen in einem ganz anderen Licht erscheinen. Vielleicht gelingt es uns, das „Schubladendenken“ zu überwinden und Speicherkapazitäten zu erweitern in unseren Beziehungen zu Christus und den Mitmenschen.
Zum Weiterdenken
Fragen wir uns: Trauen wir Jesu Botschaft zu, dass sie in der heutigen Welt eine Hilfe im konkreten Leben sein kann?
Rudolf Silberberger ist Pfarrer in Axams, Birgitz und Grinzens, Pfarradministrator in Götzens (westl. Mittelgebirge) und als Diözesankonservator zuständig für kirchliche Denkmalpflege.