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„Wir haben die Chance genützt“

Ausgabe: 2009/27, Chance, Solidaritätspreis, Straßenkinder, Rumänien, Hilfsprojekt, Vitor, Schmid, KJ
06.07.2009
- Stütz Paul
Um Straßenkindern in Rumänien zu helfen, hat die Katholische Jugend Pfarrkirchen bei Bad Hall vor zwei Jahren ihr Hilfsprojekt Viitor gestartet. Zwei Besuche bei den Kindern von Petrosani sorgten für unvergessliche Momente und ein paar Überraschungen.

Der Name Viitor ist Programm. Viitor bedeutet auf Deutsch Zukunft. Diese soll für die Straßenkinder im rumänischen Petronsani besser werden, wünschten sich die Pfarrkirchner Jugendlichen, als sie ihr Projekt im Jahr 2007 starteten. „Es ist schön, wenn man helfen kann“, sagt die 17-jährige Katharina Schmid als eine der Initiatorinnen des Projektes.
Der gute Zweck als gemeinsames Ziel ließ einige Jugendliche überhaupt erst zur Jugendgruppe der KJ Pfarrkirchen stoßen. Schnell wurde daraus ein eingeschworenes Team, das an einem Strang zog. Um Spenden für das Caritas- Haus in Maria Stein (siehe Spalte rechts) aufzutreiben, haben die jungen Leute im Alter von 15 bis 24 viel von ihrer Freizeit investiert und einiges an Einfallsreichtum bewiesen. Neben einem Adventbasar und einer Autowaschaktion haben die Pfarrkirchner sogar einen eigenen Kurzfilm gedreht, der auf die Situation der Straßenkinder aufmerksam macht.

Leute überzeugen. Die größte Überwindung kostete den Jugendlichen aber ihr Einsatz mitten auf der Linzer Landstraße. „Wir haben die Leute gefragt, ob sie bei ihren Einkäufen auch Sachen für die Straßenkinder in Petrosani mitnehmen“, sagt Theresa Sturmberger. Mit ein paar Passanten ergaben sich nette Gespräche, viele waren jedoch sehr skeptisch bis unwirsch. „Manche meinten, dass die Spenden sowieso nie in Rumänien ankommen werden“, erzählt die 15-jährige Schülerin: „Da haben wir aber ein sehr gutes Gegenargument gehabt.“ Denn die Jugendgruppe hatte den direkten Kontakt nach Rumänien samt Spendenübergabe von Anfang an fix eingeplant. Im heurigen Juni fand bereits die zweite Reise nach Rumänien statt. Mit dabei war auch Theresa. Eine rührende Begegnungen ist ihr besonders in Erinnerung. „Einer der Straßenjungen hat meine Hand genommen und sie einfach nicht mehr loslassen wollen.“

Als Touristen wiederkommen. Die Offenheit der Bewohner hat Stephan Knogler begeistert. „Dort hat mich niemand blöd angesprochen wegen meines Irokesenhaarschnitts. Ich hatte bei unserem Besuch den Eindruck, dass die Leute in Petrosani viel toleranter sind als bei uns“, betont der 18-Jährige. Überrascht hat ihn, wie gut die ehemaligen Straßenkinder versorgt sind und was ihm ein Familienvater aus Petrosani erzählt hat: „Der Mann hat gemeint, er würde es schön finden, wenn wir Rumänien auch als schönes Urlaubsland entdecken und auf diese Weise Geld ins Land bringen und nicht allein durch Spenden.“

Die Chance zu helfen. Klar ist für die Pfarrkirchner jedenfalls, dass der Kontakt nach Rumänien nicht gänzlich abreißen soll, auch wenn das Projekt mit Juni 2009 eigentlich abgeschlossen ist. Gut möglich also, dass Viitor, für das die Pfarrkirchner mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnet wurden, weitergeführt wird. Denn von einem ist die Jugendgruppe überzeugt, wie Stephan sagt: „Manchmal ist es gar nicht so schwer, etwas zu bewegen, man muss nur seine Chance nutzen.“





Wohlstand und große Armut

Petrosani ist der Hauptort eines ehemals blühenden Kohlereviers in den Südkarpaten, das zu der Region Siebenbürgen/Transsylvanien gehört. In den letzten Jahren hat die Krisenregion einen gewissen Aufschwung erlebt. Sichtbar wird das an zahlreichen neuen Gebäuden und Cafés. Dennoch gibt es nach wie vor große Armut.
„Wir haben in Petrosani auch eine neunköpfige Familie gesehen, die auf gut zehn Quadratmetern gehaust hat. Eigentlich unvorstellbar“, war Barbara Schuster, Projektleiterin von Viitor, erschüttert. Fast noch schlimmer ist dabei die Hoffnungslosigkeit. Alkoholismus, Kriminalität, Gewalt und Aids sind schwerwiegende Probleme. Besonders leiden die Kinder – manche so sehr, dass sie ein Leben auf der Straße der Situation zu Hause vorziehen.

Zuflucht für die Vergessenen

Auf die zunehmende Zahl der Straßenkinder hat die Caritas Petrosani reagiert und 2004 das Haus „Maria Stein“gekauft, umgebaut und 2008 neu eröffnet wurde. Bis zu 20 Straßenkinder müssen nun nicht mehr Nacht für Nacht am Bahnhof oder in Kanalschächten schlafen. Sie haben ein sauberes Bett, bekommen zu essen und Kleidung. Vor allem aber bekommen sie auch Aufmerksamkeit und Zuwendung. 35 Kinder aus armen Familien werden in der angeschlossenen Tagesheimstätte betreut.
Mit dem Geld der Katholischen Jugend Pfarrkirchen wird der laufende Betrieb von Maria Stein unterstützt, außerdem haben die Oberösterreicher Schulartikel an die rumänischen Kinder übergeben.
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