15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) , 12. Juli 2009
Ausgabe: 2009/28, Sonntag, Worte des Lebens, 15. Sonntag im Jahreskreis, Jesu Botschaft, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, Rudolf Silberberger, Brasilien, Aus der Ökumene, Amos
08.07.2009
Jesu Botschaft will zu den Menschen gebracht werden – damals wie heute – von Menschen, die selber davon berührt sind. Denn: Spricht der Mund davon, wovon das Herz voll ist, so geht das „unter die Haut“ und in die Tiefe des Herzens der Mitmenschen.
Evangelium
Mk 6, 7–13
Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.
1. Lesung
Amos 7, 12–15
Zu Amos aber sagte Amazja (der Priester von Bet-El): Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot, und tritt dort als Prophet auf! In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel. Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!
2. Lesung
Eph 1, 3–14
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade. Durch sie hat er uns mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat: Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist. Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben. Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt. Der Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, zum Lob seiner Herrlichkeit.
Möge Gott dich segnen mit Unbehagen
gegenüber allzu einfachen Antworten, Halbwahrheiten und oberflächlichen Beziehungen, damit Leben in der Tiefe deines Herzens wohnt.
Möge Gott dich mit Zorn segnen gegenüber Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen, damit du nach Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Frieden strebst.
Möge Gott dich mit Tränen segnen, zu vergießen für die, die unter Schmerzen, Ablehnung, Hunger und Krieg leiden, damit du deine Hand ausstreckst, um sie zu trösten und ihren Schmerz in Freude zu verwandeln.
Und möge Gott dich mit der Torheit segnen, daran zu glauben, dass du die Welt verändern kannst, indem du Dinge tust, von denen andere meinen, es sei unmöglich sie zu tun.
Gebet aus Brasilien, aus: Gebete aus der Ökumene, Heft 6 (emw, hamburg).
Wort zum Sonntag
Jesu Botschaft – zeitlos neu
Alle Werbestrategien zusammen können das persönliche Zeugnis nicht ersetzen. In der Mundpropaganda wird die persönliche Erfahrung mit dem „Produkt“ (der Botschaft Jesu) gleich mitgeliefert. Hier steht der Sprecher hinter dem Wort. Neue Menschen versehen die Worte Jesu mit neuen Schwerpunkten. Die Worte sind schon durch eine persönliche Lebenswirklichkeit hindurchgesickert, angereichert mit Lebenserfahrung und erprobt an den Fragen der Gegenwart. Diese Art der Verkündigung hält die Botschaft Jesu jung. Eine solche Weitergabe kann durch nichts anderes ersetzt werden. Sie weckt nämlich Neugier und Sehnsucht und die Frage: Was ist es, was einen Menschen so begeistern kann? Worte können vieles auslösen – etwa aus Sackgassen führen, Kraft und Motivation zum Gehen eines neuen Weges geben. Worte können lebensfeindlichen Kräften ein Ende setzen (Dämonen werden vertrieben). Worte vermögen das Innerste des Menschen anzurühren und heil zu machen. Genau das war die Wirkung der Verkündigung der Apostel: Umkehr, Befreiung von schädlichen Mächten und umfassende Heilung. Die Annahme der Worte ist freiwillig, aber nicht gleichgültig. Wer Jesu Worte nicht annimmt, dem ist nicht zu helfen, der bleibt in alten Verhaltensmustern. Jesus will durch die Verkündigung seiner Botschaft Lebenshilfe geben. Persönlich fasziniert es mich immer wieder, wie dieses „System“ der Verkündigung in der Antike funktionierte und weite Kreise zog. Was noch viel mehr erstaunen lässt ist die Tatsache, dass es bis heute durch nichts anderes ersetzt werden kann. Spricht der Mund davon, wovon das Herz voll ist, so geht das „unter die Haut“ und in die Tiefe des Herzens der Mitmenschen.
Zum Weiterdenken
Jesus braucht heute Menschen, denen seine Botschaft so wichtig ist, dass sie sie weitersagen. Worte des Lebens, der Hoffnung, des Trostes können ein besonderes Geschenk sein, sie haben Kraft, Auswege aus Krisensituationen zu schaffen. Fragen wir uns: Wer wartet auf unser Wort des Glaubens?
Rudolf Silberberger ist Pfarrer in Axams, Birgitz und Grinzens, Pfarradministrator in Götzens (westl. Mittelgebirge) und als Diözesankonservator zuständig für kirchliche Denkmalpflege.Den Autor erreichen Sie unter