„Ein besseres Bauchgefühl“ wird in der Fernsehwerbung ständig denen versprochen, die den Reißverschluss nicht mehr zubringen – sofern sie sich für ein bestimmtes Produkt entscheiden. Die Konzentration auf den eigenen Bauch ist typisch für unsere Zeit. Rein medizinisch mag es zwar stimmen, dass Wohlbefinden mit dem Bauch viel zu tun hat – doch sollte es dort nicht enden. Es ist nicht lange her, dass der Slogan vom „Recht auf den eigenen Bauch“ die Runde machte. Man meinte damit die Selbstbestimmung im Fall einer Schwangerschaft. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder das Wohlbefinden vorrangig nach dem Zustand ihrer eigenen Bäuche messen, ist in Gefahr, geistlos zu werden – und unsozial. Das wäre der Fall, wenn man etwa die Qualität einer Urlaubsreise ausschließlich danach beurteilt, wie dort das Essen war. Das „bessere Bauchgefühl“ steht vorrangig jenen zu, die nicht Probleme mit Reißverschlüssen haben, sondern damit, überhaupt ausreichend zu essen zu bekommen. Wenn demnächst die Sieben-Milliarden-Marke an Weltbevölkerung überschritten wird, bedeutet das eine große Herausforderung. Da braucht es Herz und Verstand.