Ausgabe: 2009/29, Kopf der Woche, Shiva, Physikerin, Stift Lambach
15.07.2009
- Susanne Huber
Wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber der industriellen Agro-Gentechnik wurde Vandana Shiva über die Grenzen Indiens hinaus bekannt. Von 23. bis 24. Juli ist die Inderin als Referentin bei der Fachtagung Weltkirche im Stift Lambach geladen.
Wenn Vandana Shiva über die negativen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen auf den Boden spricht, die Vorgangsweisen von internationalen Gen-Konzernen und deren Bio-Patente kritisiert und die wichtige Bedeutung biologischer Artenvielfalt aufzeigt, spürt man, wie sehr sie diese Themen in den Bann gezogen haben. Vandana Shiva ist aber nicht nur engagierte Umweltschützerin und Bürgerrechtlerin, sondern auch Physikerin und Öko-Feministin. Für ihren Einsatz, Frauen und Ökologie im Zentrum des modernen Diskurses um Entwicklungspolitik zu platzieren, hat sie 1993 den Alternativen Nobelpreis erhalten.
Saatgut wahren. „Die Berge sind mir vertraut, denn ich wurde im indischen Dehradun geboren, direkt am Fuße des Himalaya“, sagt Shiva während ihres Österreich-Aufenthalts. Ihre Eltern, die im staatlichen Dienst beschäftigt waren und dann als Bauern arbeiteten, ermöglichten ihr ein Physik-Studium in Kanada. Doch statt einer wissenschaftlichen Karriere zog es Shiva vor, sich in ihrer Heimat gegen die massiven Auswirkungen der wirtschaftlichen Erschließung auf die Umwelt zu engagieren. 1991 hat die heute 56-Jährige begonnen, regionale Saatgutpflanzen zu sammeln und auf ihrer Versuchsfarm in ihrem Heimatort anzubauen. Seither setzt sie sich mit der von ihr gegründeten Organisation „Navdanya“ dafür ein, Saatgut traditioneller Pflanzen zu wahren, örtliche Landwirtschaft zu schützen und den indischen Bauern ihre Lebensgrundlagen zu sichern.
„Wir werden nicht erlauben, dass das Aufbewahren von Saatgut und das Teilen von Samen zum Verbrechen erklärt wird, das ist unsere Pflicht. Was wir brauchen sind Ökonomien der Fülle, damit alles Leben wachsen kann.“