Die erste Jahresleistung der MIVA waren 12 Fahrräder. In den vergangenen 60 Jahren finanzierte das katholische Hilfswerk etwa 21.000 Fahrzeuge für pastorale oder soziale Einsätze in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien.
Ob Geländewagen, Fahrrad, Flugzeug oder Schiff – die österreichische MIVA finanziert seit 60 Jahren Fahrzeuge für die katholische Mission, für Entwicklungsprojekte oder für die medizinische Versorgung der Menschen in den Ländern des Südens. Franz Xaver Kumpfmüller, Geschäftsführer der MIVA, blickt auf 60 „bewegende“ Jahre zurück.
Was waren die entscheidendsten Entwicklungsschritte der MIVA?
Kumpfmüller: Einen wichtigen Schritt setzte mein Vater Karl Kumpfmüller 1954, als er die Katholische Jungschar ersuchte, den alten Brauch des Sternsingens neu zu beleben. Ziel war, ein Motorrad für einen Missionar in Uganda zur Verfügung zu stellen. Wegen des großen Erfolgs konnten dann gleich drei Mopeds angeschafft werden. Als die Dreikönigsaktion 1960 ein eigenständiges Hilfswerk wurde, haben wir die Christophorus-Aktion ins Leben gerufen, die heuer zum 50. Mal durchgeführt wird. Im Rahmen der Aktion bittet die MIVA am Christophorus-Sonntag, heuer der 26. Juli, alle Autofahrer um einen Zehntel-Cent pro unfallfreien Kilometer für ein MIVA-Auto.
Auch der Bereich Ökologie wird bei der MIVA großgeschrieben?
Kumpfmüller: Ja. Unser Beschaffungsbetrieb BBM, der heuer 20-jähriges Bestehen feiert und stets für eine perfekte Abwicklung von Warenlieferungen sorgt, setzt einen besonderen Schwerpunkt im Bereich Ökologie und Energiewirtschaft.
Können Sie da ein Beispiel nennen?
Kumpfmüller: Beispielsweise haben wir in einem Krankenhaus in Uganda, das pro Woche eine Lkw-Ladung Holz benötigte, um die Wäsche zu waschen und deren Energiekonzept katastrophal war, nach anderen Alternativen gesucht und ein Gesamtkonzept ausgearbeitet. D. h. es wurden Waschmaschinen installiert, wo das Wasser nicht per Strom, sondern über Solarkollektoren heiß gemacht wurde. So konnte auch in der Nacht operiert werden. Der Energie- und Hygienebereich wurde umgestellt. Was das Abwasser des Krankenhauses betraf, haben wir mit der Bodenkultur in Wien die erste Pflanzenkläranlage für Afrika gemacht – mit dem Erfolg, dass das biologisch gereinigte Wasser als Tränke für die Tiere verwendet werden kann. Dieses Klimaschutz-Konzept setzten wir dann auch in unserem Christophorus-Haus, dem Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude der MIVA, das heuer fünf Jahre alt wird, um. Es zählt zu den innovativsten Passivhaus-Bauten Europas.
Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft?
Kumpfmüller: Das ist sicher der Bereich, verantwortungsvoll mit den Ressourcen dieser Welt umzugehen. Deshalb prüfen wir genau, wo wirklich der Einsatz eines Geländefahrzeuges notwendig ist oder ob stattdessen auch ein Fahrrad hilfreiche Dienste leisten kann.
Euer Auftrag veränderte sich also mit der Zeit?
Kumpfmüller: Ja genau. Wir haben z. B. im vergangenen Jahr durch unsere seit 15 Jahren bestehende Mai-Aktion über 1000 Fahrräder für Katechisten finanziert. Diese Idee ist während einer Projektreise im Kongo entstanden, wo wir beschlossen haben, Katechisten und Laien zu unterstützen, damit sie bei ihrer Arbeit in den großen Gebieten lange Strecken nicht zu Fuß zurücklegen müssen.
HINTERGRUND
Wie alles begann
Der Urgedanke der Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, kurz MIVA genannt, kommt aus Deutschland. Dort ist sie 1927 vom Oblatenmissionar Paul Schulte – wegen seiner Flugbegeisterung auch „Fliegender Pater“ genannt – gegründet worden. Ausschlaggebend für die MIVA-Gründung war, dass sein Studienfreund und späterer Mitbruder Otto Fuhrmann mangels eines Transportmittels im heutigen Namibia (damals deutsche Kolonie Südwestafrika) gestorben war. Dieser Tod war für Pater Schulte die Motivation, die Technik auch in den Dienst der Menschen zu stellen.
Karl Kumpfmüller hatte vor 60 Jahren in St. Pölten ein Flugblatt der deutschen MIVA entdeckt. Wie beim „Fliegenden Pater“ Paul Schulte war auch bei Kumpfmüller die Begeisterung fürs Fliegen die Motivation, im oberösterreichischen Stadl-Paura eine Unterstützungsgruppe für die deutsche MIVA aufzubauen. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg und aus seinem Traum, Missionsflieger zu werden, wurde nichts. Karl Kumpfmüller musste in den Krieg und unmittelbar danach war es nicht mehr möglich, von Österreich aus eine deutsche Organisation zu unterstützen. So wurde 1949 die österreichische MIVA als Hilfswerk der katholischen Kirche im Stift Lambach ins Leben gerufen.
Das Programm zum MIVA-Jubiläumsfest von 24.–26. Juli 09 im Christophorus-Haus in Stadl-Paura finden Sie unter: www.miva.at