16. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 19. Juli 2009
Ausgabe: 2009/29, Sonntag, Aufatmen, Zeit, 16, Silberberger, Wort zum Sonntag
15.07.2009
Wegerfahrungen, neue Orte, andere Menschen – all das kann Blockierungen lösen und neue Sichtweisen eröffnen. Die Notwendigkeit einer richtigen Abfolge von Vorwärtsgehen, Rasten und Auftanken ergibt sich bei einer Wallfahrt regelrecht von selbst. Ebenso das Zurückschauen, die Standortbestimmung und das mutige Voranschreiten. Ein gut geplanter Urlaub kann solche Qualitäten auch haben. Zeit für sich, Zeit für Mitmenschen und Zeit für Gott gilt es einzuplanen.
Evangelium Mk 6, 30–34
Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.
1. Lesung Jer 23, 1–6
Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen – Spruch des Herrn. Darum – so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten – Spruch des Herrn. Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen – Spruch des Herrn. Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn –, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.
2. Lesung Eph 2, 13–18
Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet. Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater.
Gott, wir freuen uns
auf die vor uns liegende Zeit des Urlaubs. Hilf uns, dass wir Entspannung und Erholung finden und zu uns selbst kommen. Lass uns zu einer guten Gemeinschaft werden mit denen, die mit uns unterwegs sind. Behüte uns vor Unfällen und Unglücken.
Aus einem Gebetbuch der Autobahnkirchen in Deutschland.
WORT ZUM SONNTAG
Mensch sein und Mensch bleiben
Man muss sich nicht „reif für die Insel“ fühlen oder gar vor dem „burn-out“ stehen, um sich Zeit zu nehmen für Ruhe und Erholung. Viele Menschen erfahren sich als Getriebene, die ständig hinterherlaufen. Wer immer nur reagieren muss statt bewusst das Steuer in die Hand zu nehmen, kann sehr leicht die Orientierung verlieren. In solchen Situationen bringt ein Stopp viel mehr als „mit Vollgas voran“. Jesus lädt die Apostel zum Ausruhen ein: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus“ (Mk 6, 31). Die orientierungslosen Menschen, die „wie Schafe ohne Hirten waren“, lehrte Jesus lange. Um Mensch zu sein und Mensch bleiben zu können braucht es das Ausruhen, das Auftanken, das Zurückschauen, die Standortbestimmung und den Blick voraus. Wallfahrten zu Fuß können dazu eine wertvolle Hilfe sein. Wegerfahrungen, neue Orte, andere Menschen, all das kann Blockierungen lösen und neue Sichtweisen eröffnen. Die Notwendigkeit einer richtigen Abfolge von Vorwärtsgehen, Rasten und Auftanken ergibt sich bei einer Wallfahrt regelrecht von selbst. Ebenso das Zurückschauen, die Standortbestimmung und das mutige Voranschreiten. Ein gut geplanter Urlaub kann auch solche Qualitäten haben. Es gilt dabei, Zeit für sich, Zeit für Mitmenschen und Zeit für Gott einzuplanen. All das im richtigen Maß setzt Kräfte frei und gibt neue Impulse für das tägliche Leben. Übermenschliches können und brauchen wir nicht zu leisten. Durch seine Einladung auszuruhen bietet Jesus uns Entlastung an. Der Herr ist ja gekommen, wie er selber sagt, „dass wir das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10).
Zum Weiterdenken
Rastplätze, Orte der Ruhe und Quellen müssen beileibe nicht an entfernten Wallfahrtsorten und Urlaubszielen liegen. Sie können auch ganz in der Nähe sein. Fragen wir uns: Habe ich solche Orte und Tankstellen für mein leibliches, geistiges und geistliches Leben?
Rudolf Silberberger ist Pfarrer in Axams, Birgitz und Grinzens, Pfarradministrator in Götzens (westl. Mittelgebirge) und als Diözesankonservator zuständig für kirchliche Denkmalpflege.
Den Autor erreichen Sie unter sonntag@kirchenzeitung.at