Oft und mit unterschiedlichsten Ansätzen und Argumenten wurde versucht, das Ereignis der Brotvermehrung zu erklären. Menschliche Denkschemata stoßen dabei aber an eine Grenze. Man kann dieses Zeichen nicht erklären und braucht das auch nicht zu tun. Wie im Evangelium zu lesen ist, geht von Jesus selber die Initiative aus. Dort heißt es: „Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte“ (vgl. Ev., Joh 6, 5f).
Jesus gibt zu essen! Jesus erdet seine Botschaft, er lässt den Menschen „seine Liebe durch den Magen gehen“. Er will seine Zuhörerinnen und Zuhörer satt machen, aber zugleich den Hunger auf Größeres wecken. Die Leute haben verstanden, dass es sich um ein Zeichen handelt, aber sie blieben – wie auch die Apostel des Öfteren – auf der Stufe eines rein politischen Messiasverständnisses stehen. Der Evangelist berichtet uns davon mit folgenden Worten: „Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“(vgl. Ev., Joh 6, 15) Jesus geht es aber um viel mehr, es geht ihm um das Kommen einer neuen Zeit. Der Herr holt uns Menschen dort ab, wo wir stehen und will uns seinen Weg führen.Das Grundnahrungsmittel Brot ist ihm dabei ein wichtiges Element. Es ist auch Zeichen der Fürsorge, des einander Wichtigseins, ein Zeichen der Zuwendung. Schon bei der Brotvermehrung „füllt“ Jesus das Brot gleichsam mit seiner Liebe. In der Eucharistie will er selber Brot sein für die Menschen aller Zeiten.
Zum Weiterdenken
Leben ist mehr als Essen und Trinken. Brot ist mehr als Nahrungsmittel, Brot ist Verbindung. Brot teilen, Brot austeilen ist immer auf andere Menschen hin ausgerichtet. Einander zum Brot werden kann viele Formen haben . . .
Rudolf Silberberger
ist Pfarrer in Axams, Birgitz und Grinzens, Pfarradministrator in Götzens (westl. Mittelgebirge) und als Diözesankonservator zuständig für kirchliche Denkmalpflege.Den Autor erreichen Sie unter