Da gibt es jene, die vorgeben, im Nordkaukasus sei alles in Ordnung; und dann gibt es die anderen, die aufzeigen, dass dem nicht so ist. Wer couragiert Kritik übt an Menschenrechtsverletzungen im russischen Nordkaukasus, der lebt wahrlich gefährlich. Das offenbart der jüngste Mord an der russischen Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. Sie ist eine von Vielen, die wegen ihres Mutes, Verbrechen in der Kaukasus-Region ans Tageslicht zu bringen, mit ihren Leben bezahlen musste. 2006 war es beispielsweise die Journalistin Anna Politkowskaja, die in Moskau erschossen wurde. Sie hatte stets ihren Unmut gegen die Kreml-Politik kundgetan – das hatte fatale Folgen.
Wie auch Anna Politkowskaja dokumentierte Natalja Estemirowa Entführungen, Ermordungen, Vergewaltigungen, Folter und Hinrichtungen im Nordkaukasus. Im Zentrum ihrer Kritik stand Ramsan Kadyrow, Präsident der Kaukasusrepublik Tschetschenien. Sie machte ihn für die Gewalt, die Verbrechen und die Menschenrechtsverletzungen, die dort geschehen, verantwortlich; sie zeigte auf, dass dieser nach außen demonstrierte Friede nicht existiert.
Dass Leute, die sich für die Rechte von Menschen stark machen, dafür sterben müssen – das ist schwer nachvollziehbar; ebenso wie die Politik, die der russische Staat im Nordkaukasus betreibt. Ob der Tod von Natalja Estemirowa je aufgeklärt wird, bleibt zu bezweifeln – denn Anna Politkowskajas Fall und viele andere Morde an kritischen Menschenrechtsaktivist/innen in Russland sind es bis heute noch nicht.