Der vor etwa einem Monat mit Hilfe des Militärs gestürzte und ins Exil geschickte honduranische Präsident Manuel Zelaya begab sich am vergangenen Wochenende auf heimatlichen Boden. Doch nur kurz. Nach wie vor ist er in seiner Heimat nicht willkommen. Wegen der von der Übergangsregierung angedrohten Festnahme versucht Zelaya also von Nicaragua aus den Widerstand zu organisieren. Er will seine Macht zurück. Die Putschisten, allen voran Zelayas Kontrahent Roberto Micheletti, die dem gestürzten Präsidenten Korruption, Verfassungsbruch und Hochverrat vorwerfen, wollen das natürlich verhindern. Und so geht es nun von Seiten der Verschwörer auch nicht mit rechten Dingen zu: Fünf Menschen sind seit dem Staatsstreich getötet worden, nächtliche Ausgangssperren wurden verhängt, Menschen, die gegen diese Ausgangssperre verstoßen, sind verhaftet worden, es gibt Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, die Pressefreiheit wird verletzt, Journalist/innen bedroht, Sender, auch katholische, vom Militär besetzt oder abgeschaltet.
Sollten Manuel Zelaya und Roberto Micheletti nicht aufeinander zugehen – und das scheint derzeit der Fall zu sein – dürfte sich die Situation in Honduras mehr und mehr zuspitzen. Die aktuelle Staatskrise in dem mittelamerikanischen Land kann aber nur dann friedlich und versöhnlich gelöst werden, wenn sowohl Zelaya als auch Micheletti dazu gewillt sind, Provokationen zu vermeiden, nachzugeben, miteinander in Dialog zu treten. Ihr oberstes Anliegen müsste sein, die gegebene Gefahr eines Bürgerkrieges zu verhindern.