São Paulo: Nach Renovierung öffnet die Kirche „Nossa Senhora da Boa Morte“ wieder ihre Pforten
Ausgabe: 2009/31, Barockkirche, Arme, Sao Paulo
29.07.2009
Der Name lässt es nicht unbedingt vermuten, doch die schöne Barockkirche der „Nossa Senhora da Boa Morte“ (Unsere Frau vom guten Tod) im brasilianischen São Paulo dient dem Leben.
Als erste Kirche der Millionenmetropole öffnet sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Sie soll als Anlaufstelle für Obdachlose, Drogenabhängige und sonstige Menschen in Not täglich und rund um die Uhr offen sein. Insgesamt 15 Geistliche der kirchlichen Bewegung „Aliança da Misericordia“ (Bund der Barmherzigkeit) übernehmen die Betreuung der Hilfesuchenden. Unlängst eröffnete São Paulos Erzbischof Odilo Scherer das Gotteshaus nach dreijähriger Renovierung.
Koloniale Architektur. Die 1810 erbaute Kirche ist eines der wenigen verbliebenen Zeugnisse kolonialer Architektur, die der hektischen Expansion des Stadtzentrums seit den dreißiger Jahren standgehalten haben. In der kleinen Seitenstraße Rua do Carmo gut 500 Meter von der Kathedrale entfernt, repräsentiert „Nossa Senhora da Boa Morte“ die für São Paulo typische schlichte Form des Barocks.
Renovierung. Vor sieben Jahren musste die Kirche wegen schwerer baulicher Mängel geschlossen werden. Große Teile des hölzernen Dachstuhls waren von Termiten zerfressen; die Wände drohten wegen Wasserschäden einzustürzen. Für die Renovierung wurden umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro benötigt. Das Geld konnte dank einer gemeinsamen Initiative der Regierung des Bundesstaates und einiger Privatunternehmen aufgebracht werden.
Lebendige Kirche. „Dieses Gotteshaus hat eine große Bedeutung, sowohl historisch als auch kulturell und religiös“, so der Erzbischof bei der Wiedereröffnung: „Aber es ist kein Museum, sondern eine lebendige Kirche“, und das 24 Stunden täglich. São Paulo, so Scherer, sei eine Stadt, die niemals ruhe: „Deshalb brauchen wir auch nachts religiöse Räume, in denen Menschen Aufnahme finden können“. Nach Schätzungen der Stadtregierung leben in São Paulo zwischen 12.000 und 15.000 Menschen auf der Straße, davon etwa 4000 im Zentrum der 11-Millionen-Metropole.