BRIEF_KASTEN
Neulich musste ich an der Zapfsäule an Joseph Roth denken. Was hat der Schriftsteller, dem wir Werke wie „Radetzkymarsch“ verdanken, mit meiner Tankfüllung zu tun?
Es begann damit, dass das Benzin ungewohnt langsam durch den Zapfhahn floss. Die Pumpe stoppte dann bei einer Menge, die knapp über der Kapazität meines Tanks lag. Dabei hatte ich das Auto nicht ganz „leergefahren“. Gab es also einen Messfehler zu meinen Ungunsten? Beweisen kann ich das nicht, dazu müsste man die Zapfsäule eichen. Ein Eichmeister taucht als Hauptfigur im Roman „Das falsche Gewicht“ auf. Autor: Joseph Roth.
Warum erzähle ich von dieser eigenartigen Gedankenaneinanderreihung? Weil ich denke (oder hoffe), dass sie etwas zeigt, was künstliche Intelligenz (KI) nicht kann. Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass eine solche Anwendung dieselbe Kette an Informationen zusammensetzt wie ich, aber mit anderem Hintergrund: KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und Trainingsdaten.
Das Gehirn arbeitet zwar auch mit Daten, nämlich in Form von Erinnerungen. Deren Kombination im Gehirn hat aber viel mit Emotionen zu tun und ist daher etwas Höchstpersönliches und von außen Unverfügbares. Denn eine KI wird sich nicht über die mutmaßlich defekte Zapfsäule ärgern. Sie empfindet aber auch die Freude nicht, die Bücher von Joseph Roth schenken können.
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