BRIEF_KASTEN
Als 1890 der erste Verurteilte in den USA am elektrischen Stuhl starb, gelang das erst im zweiten Anlauf unter starken Schmerzen. Die vergangene Woche gescheiterte Hinrichtung der Mörderin Christa Pike in Tennessee war nun das bislang letzte Kapitel in der langen Reihe des US-amerikanischen Scheiterns am Ziel einer „humanen“ Hinrichtung: Auch nach zwei Giftinjektionen lebte Pike noch.
Dabei braucht es nicht den Verweis auf solche Abgründe, um zu zeigen, dass es eine „humane“ Hinrichtung gar nicht geben kann. Wer meint, im Rahmen einer Bestrafung über Leben und Tod eines anderen Menschen entscheiden zu dürfen, verletzt stets die Würde des Verurteilten – und die eigene. Denn wer eine Hinrichtung zu verantworten hat, beschädigt auch die eigene, auf grundsätzlicher Gleichheit beruhende Verbindung zur Menschheit, weil er fälschlich meint, sich selbst darüber setzen zu dürfen.
Was Christa Pike betrifft: Wie schwer ihr Körper durch die abscheuliche Prozedur des Staates Tennessee geschädigt ist, blieb zunächst unklar. Der Gouverneur des Staates hat Hinrichtungen für den Rest des Jahres gestoppt. Aber das ist keine endgültige Entscheidung. Leider noch nicht einmal für Christa Pike.
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