BRIEF_KASTEN
Ich ärgere mich manchmal über meine eigene frühere Zunft als Journalist – wenn sich ein Interview eher anfühlt wie ein Verhör – als ob es vorwiegend darum ginge, jemanden auf Mängel festzunageln, statt von dem zu reden, was eigentlich das Vorhaben oder der Plan ist. Ich ärgere mich umgekehrt über deren „Gespächspartner“, wenn diese geschult gestellten Fragen ausweichen und von ganz anderen Dingen reden, als die Frage war. Aber dies ist keine „gute Schule“, es ist vielmehr „schlechte Schule“, durch die sie da gegangen sind – und mit der man Menschen die Freude an Politik, also den alle gemeinsam betreffenden Angelegenheiten, vermiest.
Allenthalben wird von der schlechten politischen Stimmung im Land geredet, und man merkt nicht mehr, wie diese gerade durch das Mode gewordene beständige Schlechtreden neu befeuert wird. Wo ist der Fehler? Wo ist der Haken? Das scheint bei allem die Hauptfrage zu sein. Der guten Absicht wird kaum Gehör, keinem Bedauern mehr Platz eingeräumt. Menschen – auch politische Verantwortungsträger und -trägerinnen sind zuerst einmal Menschen – werden auf Fehler festgenagelt – und tun dies andererseits auch ihrerseits.
Dies würde ich mir wünschen: Dass es im politischen „Dialog“ – dieser müsste allerdings wieder zu einem solchen werden – ein wenig herzlicher zuginge, dass man dabei manchmal sogar lachen könnte; und dass dann auch das Gutheißen, das Loben gelegentlich Platz fände – sogar, wenn es der anderen Seite gilt.
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