Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien
Richard Weberberger, Ordensmann der Benediktinerabtei Kremsmünster, plädierte für eine Entschuldung der verarmten Länder. Diese nütze auch den Menschen im reichen Norden: „Denn dieses enorme Gefälle von Arm und Reich ist für die globale Entwicklung kein Vorteil“, argumentierte Weberberger. Auf die Frage, wie er eine Entschuldung gegenüber Christen begründe, sagte Richard Weberberger: „Jesus hat sich immer mit den Armen identifiziert und ganz konkrete Hilfe gefordert.“ Von der Kirche werde zudem erwartet, dass sie sich für die sozialen und moralischen Prinzipien mit viel Kompetenz einsetze. Sie müsse prophetische Zeichen setzen.
Der austro-brasilianische Bischof verwies am Beispiel Brasiliens auf die Ungerechtigkeiten des Weltwirtschaftssystems: Wenn ein derart großes Land im letzten Jahrzehnt umgerechnet 1.000 Milliarden Schilling an Zinsen bezahlt habe und die Kapitalschulden in diesem Zeitraum mehr statt weniger geworden sind, müsse „jeder vernünftige Mensch sagen, da ist etwas nicht richtig“.
Im Zuge des Neoliberalismus und der Globalisierung werde der sozial verantwortungslose Kapitalismus in Brasilien noch brutaler, sagte Weberberger. Aber auch die Entwicklung in Österreich macht ihm Sorgen: Weberberger zeigte sich „erschüttert“, dass auch hierzulande ein Kapitalismus Platz greife, „der alles konzentriert und andere ausschließt“.
Der Bischof merkte bitter an: „Heute wird uns doch die Marktwirtschaft als die allein selig machende Gnade verkauft. Und wer dagegen ist, der ist gegen Arbeitsplätze.“

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
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