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Einstieg in die Seelsorge: Von der Berufung zum Beruf

KIRCHE_OÖ

Die Seelsorge zum Beruf machen? Das geht auch als Quereinsteiger:in. Wie, das erklärt die diözesane Bereichsleiterin Irmgard Lehner.

Ausgabe: 20/2026
12.05.2026
- Niederleitner Heinz
© © Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser

Warum bemüht sich die Diözese Linz stark um Quereinsteiger:innen in die Seelsorge?


Irmgard Lehner: Wir haben in den vergangenen Jahren jährlich rund 40 Menschen in den verschiedenen Seelsorgebereichen eingestellt – von den Pfarren und Pfarrgemeinden über die Jugendpastoral, Krankenhaus- und Altenheimseelsorge bis zur Betriebsseelsorge und weiteren Seelsorgefeldern. Quereinsteiger:innen bringen viele Erfahrungshintergründe mit, die sehr bereichernd sind. In der Jugendpastoral haben wir diese Situation schon länger, aber jetzt sehen wir das zum Beispiel auch in der Altenheimseelsorge. Menschen wechseln etwa aus der Pflege in die Seelsorge. Sie sind weiter in einem Bereich tätig, den sie schon sehr gut kennen – jetzt eben mit dem neuen Arbeitsschwerpunkt Seelsorge.

 

Liegt es auch daran, dass es auf dem klassischen Weg in die Seelsorge – dem Theologiestudium – zu wenig Absolvent:innen gibt?


Lehner: Das beobachten wir schon seit einem längeren Zeitraum. Dieser Realität ins Auge schauend haben wir gesagt: Es ist uns wichtig, dass wir für die Seelsorge beherzte, engagierte Mitarbeiter:innen haben. Quereinsteiger:innen bringen viele wichtige Fähigkeiten mit, aber natürlich ist die theologische Kompetenz wichtig für qualitätsvolle Seelsorge. Also haben wir zum Beispiel mit der Katholischen Privat-Universität Linz oder der Pädagogischen Hochschule der Diözese nach Wegen gesucht, Menschen bei einer berufsbegleitenden Qualifizierung gut zu unterstützen. Dies erfolgt über Module zum Kompetenzerwerb bzw. auch über das berufsbegleitende Bachelorstudium „Grundlagen des Christentums“.

 

In der Diözese Linz heißt der entsprechende Ansatz „modulare Berufseinführung“. Was kann man sich darunter vorstellen?


Lehner: Am Anfang steht immer eine Kompetenzanalyse. Das bedeutet, dass wir hier nicht von formalen Abschlüssen ausgehen, sondern uns in verschiedenen Feldern anschauen, was die betreffende Person an Fähigkeiten mitbringt und was noch zu erwerben ist. Ist ein passendes Grundmaß vorhanden, kann es zu einer Anstellung kommen. Aus dem Ergebnis der Kompetenzanalyse heraus wird festgelegt, welche Schritte in der Ausbildung folgen. Kommt vielleicht jemand aus dem Theologiestudium, vom Bachelorstudium „Grundlagen des Christentums“ oder aus der Religionspädagogik, kann bei der Kompetenzanalyse herauskommen, dass in diesem oder jenem Bereich noch ein bisschen etwas fehlt. Das können beispielsweise sozialkommunikative oder organisatorische Module sein, die in der modularen Einzelphase zu absolvieren sind.


Es kann aber auch sein, dass jemand aus einem ganz anderen Beruf kommt, in einem pfarrlichen Ehrenamt tätig ist und das zu seiner oder ihrer Hauptprofession machen möchte. Da kann bei der Kompetenzanalyse herauskommen, dass ein guter Level an Kompetenzen da ist, aber beispielsweise der Theologische Fernkurs mit weiteren Vertiefungen zu absolvieren ist. Eine andere Möglichkeit ist die berufsbegleitende Pastorale Ausbildung Österreichs. Es gibt aber einen Teil der Berufseinführung, den alle machen: ein Jahr an der Katholischen Privat-Universität, das den Titel „School of Synodality“ trägt. Wie lange die jeweilige modulare Ausbildung dauert, ist verschieden. Das können ein, zwei oder auch fünf Jahre sein – je nachdem, welche Schritte zu gehen sind.

 

Das ist einerseits eine sehr individuell zugeschnittene Qualifizierung, andererseits wirkt es sehr offen. Wird besonders an Personen gedacht, die in menschennahen Berufen wie der Pflege oder Beratung tätig sind?


Lehner: Das Konzept ist wirklich sehr offen und die Menschen kommen aus ganz verschiedenen Berufen. Wir haben Kolleg:innen, die Tischler waren, im Verkauf gearbeitet oder etwas mit Finanzen gemacht haben. Das ist ein buntes Potpourri. Manchmal möchten Frauen, die aus einer Familienphase in die berufliche Arbeit zurückkommen, etwas tun, mit dem sie bislang ehrenamtlich beschäftigt waren. Einige Personen waren in die Erstkommunionvorbereitung involviert und haben Seelsorge auf diese Art kennengelernt. Seelsorger vermitteln mit der eigenen Religiosität etwas, das ihnen selbst sehr wichtig ist, und sie mögen den Kontakt mit Menschen.

 

Wenn man Ihnen so zuhört, klingt das nach bislang sehr guten Erfahrungen.


Lehner: Die Erfahrungen sind gut! Dazusagen muss man natürlich, dass dieses berufsbegleitende Erwerben von Kompetenzen eine intensive Begleitung seitens der Diözesanen Dienste benötigt. Das wird die Präsenz von der oder dem Dienstvorgesetzten sein, Begleitung durch Kolleg:innen oder eine Lerngruppe, in der man eigene Erfahrungen reflektiert. Denn Selbstreflexion, die Verbindung der gemachten Erfahrungen mit dem angeeigneten Wissen, ist sehr wichtig, um in die jeweilige Aufgabe hineinzuwachsen. Dazu gehört auch der Austausch mit anderen Menschen, die auf diesem Weg der Berufseinführung unterwegs sind. Praxis und Wissenserwerb müssen gut verschränkt sein.

 

Jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Was wäre denn der erste Schritt in die Seelsorge über die modulare Berufseinführung? Wo muss man sich melden? Und wann?


Lehner: Melden kann man sich grundsätzlich bei dem Fachbereich, der für das Seelsorgefeld zuständig ist, in dem man tätig sein möchte: Pfarrseelsorge, Jugendseelsorge, Alten- und Krankenhausseelsorge, Betriebsseelsorge ... Will man Priester werden, ist es das Priesterseminar. Braucht es eine Abklärung, was für jemanden am besten geeignet ist, kann man sich beim Bereich Personal & Qualitätssicherung melden. Wir sind gut abgestimmt miteinander. Melden kann man sich an sich jederzeit. Mit der Berufseinführung gestartet wird normalerweise Anfang September. April und Mai sind also ein idealer Zeitpunkt, um sich an uns zu wenden.  

Seelsorgerinnen und Seelsorger geben weiter, was ihnen selbst sehr wichtig ist. Und sie mögen den Kontakt mit Menschen.
Seelsorgerinnen und Seelsorger geben weiter, was ihnen selbst sehr wichtig ist. Und sie mögen den Kontakt mit Menschen.
© © Diözese Linz / Frauenkommission / Franz Litzlbauer
Irmgard Lehner leitet den Bereich „Pfarre & Gemeinschaft“ der Diözese Linz.
Irmgard Lehner leitet den Bereich „Pfarre & Gemeinschaft“ der Diözese Linz.
© © Diözese Linz / Johannes Kienberger
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