10.02.2017

Bewusst leben

Über dem Nebel ist die Sonne

Wer die Medien verfolgt, ist fast ständig mit Negativmeldungen konfrontiert. Das stimmt auf die Dauer betrüblich. Gerade deshalb – oder trotzdem – ist es wichtig, auf sich selbst zu schauen und die positiven Dinge im Leben bewusst wahrzunehmen.

Tagtäglich leuchten viele Sonnenstrahlen durch die Wolken der Probleme, wie zum Beispiel nette Worte von Kolleg/innen im Büro.

Elmar Simma, Seelsorger und Buchautor.

Dem Leben zulächeln. Von der Kunst, den Tag zu loben. Elmar Simma, Tyrolia Verlag, Innsbruck – Wien 2017, € 14,95.

„Die Schlagzeilen machen sich einfach zu wichtig. Es geht uns doch gut. An einem kalten Nebeltag kommen wir heim und können hier an einem warmen Ort Leib und Seele aufwärmen“, Elmar Simma, langjähriger Caritas-Seelsorger der Diözese Feldkirch, möchte in seinem neuen Buch den Blick ganz bewusst auf das Gute richten, das einem jeden Tag begegnet. Auch mühsame Situationen oder schwierige Menschen haben vielleicht ihre positive Seite, man muss nur bereit sein, dies zu sehen.

Einen ganzen Tag verschönern

„Es gibt so vieles, was das Herz erwärmen kann, und dennoch ersticken die Leute im Jammern“, bedauert Simma. Das führt schnell in eine Negativ-Spirale, aus der man nur schwer wieder ­herauskommt. „Wir müssen Kopf und Herz erheben, nur so ist es möglich, die Sterne zu sehen. Oder die Sonne, die über dem Nebel scheint“, so seine Aufforderung.
Mit dem Blick nach unten verkleinert sich auch der Horizont. Schaut man hinauf, vielleicht sogar mit einem Lächeln, merkt man schnell, wie gut das tut. Auch wenn es nur kurze Augenblicke sind, können sie doch ­einen ganzen Tag verschönern.

Drei Mal täglich loben

„Schenken Sie den Leuten, denen Sie begegnen, einen freundlichen Blick, schließen Sie Ihre Nachbarn ins Abendgebet ein oder kochen Sie sich eine Lieblingsspeise aus Ihrer Kindheit“ – die positiven Impulse von Elmar Simma sind sehr unterschiedlich. Als Dosis rät er: „Loben wir den Wolf in uns drei Mal täglich.“ Er spielt damit auf eine Indianer-Geschichte an, die von zwei Wölfen im Herzen erzählt, einem schwermütigen und einem heiteren. „Wir können den Kampf zwischen den beiden beeinflussen. Wenn wir den Wolf des Lobes und der Dankbarkeit füttern, werden Freude und Zuversicht das Leben prägen.“

Auf die kleinen Dinge achten

„Das Leben spielt sich zwischen den Höhepunkten ab. Je mehr man sich banale Dinge bewusst macht, umso mehr Farbe bringen sie in den Alltag“, sagt Elmar Simma. Ganz einfache Dinge können sich positiv, aber auch negativ auswirken. Eine nette Aufmerksamkeit, eine Überraschung oder ein kleiner Blumenstrauß verstärken die guten Gefühle. Im Gegensatz dazu kann schon eine gedankenlose Äußerung oder eine unbedachte Handlung verletzend und schmerzhaft sein.

Impulse für Paare

Im Laufe der Jahre hat Elmar Simma zahlreiche Paare getraut. Und er freut sich, dass es trotz vieler missglückter Ehen und Scheidungen immer wieder Menschen gibt, die an die Liebe glauben und „Ja“ zueinander sagen. Aber man muss auch an der Liebe arbeiten, denn „eine Ehe wird von selber schlechter“, wie es der deutsche Paartherapeut Hans Jellouschek formuliert. In diesem Sinne legt Elmar Simma Paaren dieses Friedensgebet ans Herz:
„Füreinander da sein,
einander verzeihen,
den ersten Schritt tun,
den anderen, die andere ausreden lassen,
sich nicht wichtig nehmen,
leben und loslassen können,
bereit sein zu warten,
sich akzeptieren, wie er oder sie ist,
Vorurteile überwinden,
sich mit den Augen der Liebe sehen.
All das sind kleine Schritte zum Frieden.“

Bildquelle: Icephotography/ fotolia.com; Caritas Vorarlberg

Autor/in:  Brigitta Hasch

Keywords: 2017/06

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