14.03.2017

Bewusst leben

Psalmen geformt aus Wachs

Kunsthandwerk ist keine Frage des Alters. Das beweist die 76-jährige Marianne Hanl. Neben Keramikmalen, Klosterarbeiten und Kastenkrippen gestaltet sie seit fast 20 Jahren Osterkerzen.

In Arbeit: Die Osterkerze für die Pfarre St. Georgen/Gusen.

Viel Kreativität, Zeit und Geduld steckt in den Kerzen und Kastenkrippen.

Auf dem großen Arbeitstisch stapeln sich viele bunte Wachsplatten, getrennt durch Seidenpapier, damit sie nicht zusammenkleben. Alles ist nach Farben sortiert, einfärbig, gestreift oder marmoriert, matt oder mit Glanz. Besonders viele goldene Stücke fallen gleich auf und golden sind auch die unterschiedlich geformten schmalen und breiten Wachsborten und -streifen. Daneben liegen zwei riesige weiße Kerzen. Eine davon bereits verziert, die andere noch blank. Und ein kleines Messer neben einer Ahle, das Werkzeug von Frau Hanl.

Immer neue Ideen

„Ja, da schaut es im Moment ein bissl aus“, entschuldigt sich Marianne Hanl. Bevor die beiden Osterkerzen für heuer fertig werden, braucht sie noch ein paar Wochen Zeit und Muße. Jedes Jahr versucht sie, andere Motive auf die Kerzen zu übertragen. „Oft bringen mich Psalmen oder Gebete auf eine Idee und dann überlege ich, wie ich das am besten auf die Kerze bringen kann“, sagt die Luftenbergerin. Symbole für das Licht oder die Auferstehung kehren natürlich immer wieder. Frau Hanl verbindet als Symbol des Taufwassers auch PS 1, 1-3: …ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken“. Oder ein Samenkorn, eine Ähre, ein Brot. Als buntes Element gefallen ihr der Regenbogen und die Farben des Lebens. Wenn man ihren Überlegungen und Gedanken so folgt, hat man den Eindruck, dass ihre Kreativität noch einige Jahre für neue Motive sorgt. „Aber“, sagt sie, „es ist gar nicht so einfach. Bis ich mit den ersten Zeichnungen anfange, geht mir immer viel durch den Kopf. Es kann auch passieren, dass ein Motiv gezeichnet gut aussieht, aber aus Wachs gefällt es mir dann nicht mehr.“ In so einem Fall kommen die bunten Wachsteile wieder herunter von der Kerze und die Gestaltung beginnt von vorne.

Kerzen für viele Anlässe

Neben den beiden fast einen Meter großen Osterkerzen für die Pfarre St. Georgen an der Gusen und die Stadtpfarre Urfahr findet die siebenfache Mutter und vielfache Groß- und Urgroßmutter immer wieder Anlässe, um neue Kerzen zu gestalten. „Die Leute wissen halt, dass ich Kerzen mache, und da werde ich gefragt bei Taufen, Hochzeiten, Jubiläen und auch bei Todesfällen.“ Nein sagen will sie nicht, weil sie diese Arbeit freut, weil sie meditativ ist und ihr gut tut.

Bei einem kleinen Rundgang im Haus stößt man übrigens gleich auf weitere Hobbys von Marianne Hanl: Bemalte Tassen und Teller an der Wand, verschiedene Klosterarbeiten und einige Kastenkrippen stammen ebenfalls aus ihrer Werkstatt. „Und zur Abwechslung stricke ich gerne“, gesteht sie mit einem Lächeln.

Bildquelle: kiz/bh (2), privat (2)

Autor/in:  Brigitta Hasch

Keywords: 11/2017

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