10.11.2017

Unterhaltung

„Ich bin offline“

Unter Uns

Der Schrecken steht ihm ins Gesicht geschrieben. Da lümmelt er auf seiner Liege herum, das Tablet auf seinen angewinkelten Beinen, und jammert: „Ich bin offline. Das gibt’s net. Die haben hier kein W-Lan!“ – Ja, er ist fassunglos. Unser ... älterer Herr im Bademantel, der sich ein paar Tage Auszeit in einer Therme gönnt und jetzt nicht ins Internet kommt. Ja, was gibt es Schöneres, als im Urlaub immer am neuesten Stand der Entwicklungen zu sein? Offline zu sein, das klingt bedrohlich. Nicht nur für die Jungen. Gerne gehe ich hart ins Gericht mit ihnen, wenn sie frühmorgens, auf dem Schulweg dahinstolpernd, aufs Handy starren und ihre Spiele machen. Im Bus und in der Straßenbahn findet das seine Fortsetzung. Schrecklich! Aber, Hand aufs Herz, sind wir Älteren besser? Diejenigen, die spät, aber doch auf den Geschmack gekommen sind, surfen genauso stundenlang auf ­ihren Tablets und Smartphones herum. Dazu kommen noch stündlich die Nachrichten im Radio und Fernsehen. Die Jungen „appen“ sich durch ihre Welt, absolvieren ihre Computerspiele ... und sind mit ihren Geräten genauso verbandelt wie die ältere Generation. Oder täusche ich mich – und wir sind Kindern und Jugendlichen ein Vorbild? Echt jetzt?

Autor/in:  Elisabeth Leitner

Keywords: 2017/45

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