13.10.2017

Kirche

„Gott hat mich gerufen“

Zehn junge Männer starteten im Herbst in Linz in das erste Jahr ihrer Priesterausbildung, das sogenannte Propädeutikum. Darunter sind auch zwei junge Oberösterreicher.

Die beiden Seminaristen aus der Diözese Linz: Lukas Hitzl (l.) und Andreas Feusthuber.

„Auf den Gedanken, Priester zu werden, bin ich gekommen, als ich acht Jahre alt war und zu ministrieren begann. Dieses Ziel begleitet mich seit damals“, sagt Lukas Hitzl. Der 22-jährige Oberösterreicher ist in Vöcklamarkt (Bezirk Vöcklabruck) aufgewachsen. Bis kurz vor seiner Entscheidung, ins Linzer Priesterseminar einzutreten, arbeitete er als Chemieverfahrenstechniker bei der Lenzing AG. Seine Lehre beendete er vor dem Sommer mit der Matura. „Ich habe die Erwartung, als Priester zu einer tieferen Beziehung zu Gott zu finden“, sagt Lukas. In dieser Beziehung möchte er die Aufgaben, die er von der Diözese einmal anvertraut bekommen wird, annehmen und mit Blick auf Gott und die Menschen bestmöglich erfüllen. „Ich möchte Priester werden, weil Gott mich gerufen hat. Das ist für mich das Fundament.“

Viele Aufgaben in der Gemeinde

Ebenfalls aus dem Bezirk Vöcklabruck stammt der zweite junge Oberösterreicher, der sich für das Linzer Priesterseminar entschieden hat: Andreas Feusthuber (20) aus Oberwang. „Als Priester werde ich nicht nur vorne am Altar stehen, sondern viele Aufgaben in einer Gemeinde haben“, sagt Andreas. In seiner Heimatpfarre Oberwang ist er schon viele Jahre als Lektor und Zechpropst tätig. Vor dem Sommer absolvierte Andreas die Matura an der Handelsakademie Neumarkt am Wallersee. Sein Religionslehrer prägte ihn mit den Worten: „Die Kirche dient den Menschen.“ Als Priester möchte Andreas die Liebe zu den Menschen und die Liebe zu Gott leben. „Ich glaube, dass ich als Priester oft Vermittler sein werde zwischen Gott und den Menschen. Diese Aufgaben sind sehr vielschichtig, das gefällt mir.“

Freude über Priesterseminaristen

­Einer der Ausbildner von Andreas und Lukas heißt Michael Münzner (39). Der Wiener wurde vor neun Jahren in Linz zum Priester geweiht und ist seit 2014 der zweite Rektor des Propädeutikums, also des Einführungsjahres in der Priesterausbildung, früher in Horn (Niederösterreich), jetzt in Linz. „Am Beginn des Weges als Seminarist gibt es oft noch viele offene Fragen – zur eigenen Person und Berufung, aber auch zu den Aufgaben eines Priesters“, sagt Münzner. Für ihn sei es spannend zu sehen, wie – trotz aller Unterschiede in den Biographien, der Charaktere und Prägungen – der Ruf in die Nachfolge Jesu an zehn junge Männer ergangen ist. „Besonders bei Pfarrbesuchen erleben wir immer wieder, wie sich viele Menschen darüber freuen, dass es Priesterseminaristen gibt. Das ist ermutigend“, erzählt Münzner.
„Meine Aufgabe in der Begleitung sehe ich vor allem darin, dass ich mit den Seminaristen gemeinsam darauf schaue, wo es in dieser ersten Phase der Priesterausbildung Klärungen und Entwicklungen besonders im menschlichen Bereich und im spirituellen Leben braucht“, sagt Münzner, der seit 2011 Jugendseelsorger in der Diözese Linz ist.
In der Einführungswoche unternahmen die zehn Priesteramtsanwärter unter anderem einen Ausflug nach Enns-Lorch, wo es schon im vierten Jahrhundert eine christliche Gemeinde gab. Einige Geistliche berichteten den Seminaristen außerdem, warum sie Priester geworden sind. Sie erzählten von den schönen, erfüllenden, aber auch von herausfordernden Aufgaben eines modernen Priesters. Nach einer Fußwallfahrt nach Mariazell Ende September geht die Ausbildung zum Priester jetzt weiter mit Kursen, um die Heilige Schrift und das christliche Menschenbild kennenzulernen. Auch die Klärung und Motivation der Berufung stehen neben einer Persönlichkeitsbildung über die zölibatäre Lebenskultur bis Dezember am Programm.

Bibelschule in Israel

Die ­Weihnachtsferien verbringen Andreas, Lukas und die weiteren acht Seminaristen in ihrer Heimatpfarre. Dann geht es weiter mit einem sechswöchigen Sozialpraktikum in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder anderen sozialen Projekten. Einer der Höhepunkte des Einführungsjahres wird die Bibelschule im März und April an historischen Schauplätzen im Nahen Osten sein: Von Ostern bis Christi Himmelfahrt folgen die zehn jungen Männer fünf Wochen lang den Spuren Jesu in Israel.

Bildquelle: Diözese Linz/Michael Münzner

Autor/in:  René Jo. Laglstorfer

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