12.07.2017

Kirche

Fragen zu glutenfreien Hostien

Ein Schreiben der vatikanischen Gottesdienstkongregation hat zu Wochenbeginn in manchen Medien Aufsehen erregt: Von einem neuen Verbot für glutenfreie Hostien war die Rede. Liturgieexperte Christoph Freilinger sieht aber keinen Grund für die Aufregung.

Christoph Freilinger erklärt die kirchlichen Kriterien für Brot und Wein in der Eucharistie.

„Der Rundbrief der Kongregation bringt im Wesentlichen nur die Regelungen aus dem Jahr 2003 in Erinnerung“, sagt Freilinger, der am Österreichischen Liturgischen Institut arbeitet. „Anlass für den Brief scheint zu sein, dass es heute immer mehr Möglichkeiten gibt, Hostien und Wein im Internet zu bestellen. Das bringt es mit sich, dass die Kontrolle schwieriger ist, ob dieses Brot und dieser Wein den Kriterien der Kirche entsprechen. Deshalb werden die Bischöfe aufgefordert, diesem Thema Aufmerksamkeit zu widmen.“

Auch dass Hostien zumindest einen gewissen Anteil an Klebereiweiß (Gluten) beinhalten müssen, ist nicht neu, sondern stand auch schon in den Regeln von 2003. Hintergrund ist, dass Hostien aus Weizenmehl gebacken werden müssen und Weizen ein glutenhaltiges Getreide ist. Manche Menschen vertragen Gluten nicht. Laut Christoph Freilinger ist aber in der Praxis mit keiner Änderung zu rechnen: „Schon die bisher erhältlichen sogenannten glutenfreien Hostien waren nur glutenreduziert. Für die meisten sensiblen Personen waren sie verträglich.“ Für Menschen, die auch die geringen Anteile von Gluten nicht vertragen, bestehe die Möglichkeit der reinen Kelchkommunion. „Aus meiner Sicht wäre es stimmig, die Kommunion grundsätzlich unter beiderlei Gestalt zu spenden, damit nicht Einzelne in eine Sonderrolle gedrängt werden“, sagt Freilinger.

Reiner Wein

Das Schreiben aus Rom erinnert unter anderem auch daran, dass Priester, die krankheitsbedingt keinen Alkohol trinken dürfen, stattdessen Traubensaft verwenden können. Dafür braucht es laut Freilinger aber eine Erlaubnis des Bischofs. Die Zertifizierung von Messwein ist in Österreich nicht mehr üblich: „Seit dem Weinskandal 1985 entspricht jeder Qualitätswein hierzulande den Reinheitskriteriem für Messwein“, sagt der Liturgieexperte.

Bildquelle: Freilinger, Rupprecht/Kathpress.at

Autor/in:  Heinz Niederleitner

Keywords: 2017/28

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